Kultur Indien

"Ja und Nein"

Der vielleicht verwirrendste Kulturunterschied ist der Gebrauch von „Ja“ und ‚Nein“. Als erstens muss erwähnt werden, dass „Ja“ nicht von einem Nicken begleitet wird. Stattdessen wird das Kinn hin und her bewegt, was den Kopf zum Wobbeln bringt (probier‘s mal aus).  Egal, ob ‚gewobbelt“ oder gesprochen, ein ‚Ja“ kann viele Bedeutungen haben. Wenn ein Inder „ja“ sagt, weiß man nicht wirklich, was er meint. „Nein“ ist ein Wort, dass die Inder ungerne verwenden. Wenn man ihnen ein Stück Lakritz anbietet, finden 9 von 10 Indern den Geschmack schrecklich. Fragt man sie, ob es ihnen schmeckt, würden sie trotzdem nicht „nein“ sagen.

Höflichkeitsregeln

Inder grüßen sich traditionell mit einem „namasté“, bei dem man die Handflächen zusammenpresst und senkrecht vor sein Gesicht hält. Je höher du die Hände hältst, desto mehr Respekt zeigst du. Außerdem kann man Personen des gleichen Geschlechts die Hand geben. Spreche jeden mit „Sir“ oder „Madam“ an. Erhebe nie deine Stimme, auch nicht, wenn etwas schief läuft. Es ist besser, nach jemanden mit einem höheren Rang zu fragen, da Entscheidungsdelegation in indischen Organisationen kein starker Punkt ist.

Geschenke

Sei nicht überrascht oder beleidigt, wenn man dir nicht sofort dankt, wenn du ein Geschenk überreichst. Normalerweise wird das Geschenk ungeöffnet zur Seite gelegt. Dies ist kein Zeichen von Undankbarkeit. In Indien wird es als Zeichen von Gier angesehen, wenn man Geschenken sofort zu viel Aufmerksamkeit schenkt, und dies wird nicht geschätzt.

Kleidung

In den Augen der Inder sind Männer in Shorts lächerlich. Für Frauen ist es unerhört, Shorts zu tragen. Die Einheimischen kleiden sich für wichtige Angelegenheiten gerne formell. Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen wirst, solltest du nach dem Dresscode fragen. Nackt oder oben- ohne- Schwimmen ist verboten. Indische Frauen baden meist in ihrem Sari. In der Praxis führt das Tragen eines Bikinis zu hartnäckigem Starren von indischen Männern. Ein Badeanzug macht das Sonnenbaden zu einer entspannteren Angelegenheit.

Links und Rechts

Die rechte Hand wird zum Essen verwendet, die andere zum Hinternabwischen. Solltest du mit Indern zusammen und mit deinen Händen essen, benutze also nie die linke Hand – halte sie lieber unter dem Tisch. Die Hände zu Wechseln gilt bei den Indern als unrein. Berühre niemanden mit deiner linken Hand.

Meetings/ Termine

Wir kommen aus einer hektischen Kultur, in der das Motto „Zeit ist Geld“ allgegenwärtig ist und Pünktlichkeit erwartet wird. Inder kennen diese Hektik nicht. Das heißt allerdings nicht, dass sie immer zu spät sind. Sie sind oft eine Stunde zu früh, wenn sie keine anderen Verpflichtungen haben.

Privatsphäre

Jemanden anzustarren ist nicht unhöflich und die Inder verstehen „persönlichen Raum“ anders als wir. Sie kommen einem näher als Europäer dies tun würden, z.B. lesen sie in deinem Buch mit und werden es akribisch studieren, sobald du es aus der Hand legst. Sie betreten dein Zimmer manchmal ohne anzuklopfen und verweilen, auch wenn sie eigentlich gehen könnten. Es ist an dir, deine Grenzen anzugeben.

Männer und Frauen

In Indien gehen Männer und Frauen anders miteinander um als im Westen. Du wirst fast nie einen Mann und eine Frau Arm in Arm auf der Straße sehen. Körperlicher Kontakt zwischen Männern und Frauen ist auf ein Minimum beschränkt. Seine Zuneigung in der Öffentlichkeit zu zeigen, ist ebenfalls sehr unangebracht. Auf Bahnhöfen und in manchen Kinos gibt es sogar getrennte Kassen für Frauen und in Zügen gibt es Abteile nur für Frauen. Die Regeln für den Kontakt mit dem anderen Geschlecht sind eher liberal. Als Mann sitzt man besser nicht neben einer Frau und spricht auch nicht mit ihr. Diese Regel gilt besonders für Frauen im fruchtbaren Alter. Weibliche Touristen können ohne Probleme Kontakt mit indischen Frauen aufnehmen. Für westliche Frauen ist es besonders wichtig, den Verhaltenscode vis-à-vis indischer Männer zu kennen. Es ist besser, sie nicht direkt anzuschauen. Viele Männer denken sonst, dass du „etwas“ (von ihnen) willst.

Besuch heiliger Orte

Heilige Orte (außer Kirchen) betrittst du barfuß. Hindu-Tempel besuchst du ohne Kopfbedeckung. In manchen Tempeln sowie der „garbha griha“, dem heiligsten Ort eines Tempels, bist du nicht willkommen. Für den Besuch einer Moschee trägst du Kleidung, die wenig bzw. keine nackte Haut zeigt. Manchmal wird man dich bitten, deinen Kopf zu bedecken. Trage in jedem Fall formelle Kleidung und zeige nicht viel Haut. Während eines Gottesdienstes sitzen Männer und Frauen getrennt.

Wenn du um eine buddhistische Stupa gehst, läufst du linksrum (also im Uhrzeigersinn). Es wird nicht gerne gesehen, wenn Touristen sich vor Buddha-Statuen fotografieren lassen. In Jain-Monumenten darf man keine Gegenstände aus Leder tragen (Schuhe, Taschen, Gürtel, etc. Sikh-Tempel sollte man bedeckt und mit einer Kopfbedeckung betreten.  

Betteln

Betteln ist eine zum Teil sozial akzeptierte Aktivität. Hindus können durch das Geben von Almosen ihr Karma verbessern und wohlhabende Moslems sind laut Koran dazu verpflichtet, 4% ihres Einkommens an Minderbemittelte abzugeben. Die meisten Inder zeigen jedoch deutlich, dass sie Bettelei ablehnen. Bettler werden „stickfaul“ genannt und man hört Sätze wie „diese Leute wollen ihre tägliche Portion Reis, ohne dafür zu arbeiten“. Bei Shoestring gilt die Regel, dass man Kindern nie Geld gibt. Spendiere Ihnen lieber eine Mahzeit. Betteln wir in weiten Teilen des Landes organisiert betrieben und viele Kinder werden dafür Missbraucht. Es ist ok, älteren Menschen oder Invaliden etwas zu geben. Die wahren Geschichten eines Bettleres unterscheiden sich von Fall zu Fall. Am besten spendet man einer bekannten Hilfsorganisation. Es ist legitim für Bettler, in der Nähe des Ausgangs von Tempeln und Moscheen zu sitzen und auf „baksheesh“ (Almosen) zu warten.

Preise und Feilschen

Finde den echten Preis von etwas heraus. In der Praxis sind die Preise immer höher als du erwartest. Sehe das Feilschen als aufregendes Spiel an. In den Augen der Einheimischen sind Menschen aus dem Westen immer im Urlaub und verdienen viel Geld. Versuche ihnen ein ausgeglicheneres Bild zu geben und handle ruhig ein wenig um den Preis. Eine Tasse Tee an einem einfachen indischen Straßenstand kostet ca. 5 Rupien, während sie für Touristen locker 100 Rupien kosten könnte.

Im Allgemeinen

Sei dir immer bewusst, dass du zu Gast bist in einem Land mit unterschiedlichen sozialen Bräuchen. Besonders während der Festivals ist es wichtig, sich an die lokale Tradition anzupassen, auch wenn du sie vielleicht komisch findest. 

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