Religion

In Nepal ist nichts verwirrender als die bunte Mischung aus Göttern, Engeln, Dämonen, Kulturen und Ritualen. Nepals Glaubenslehre besteht aus einer Mischung von Hinduismus und Buddhismus. Außer diesen zwei Religionen gibt es viele andere Einflüsse wie den Animismus, Schamanismus, Vorfahren-Verehrung, die tibetanische Bon-Religion, Vajrayana und den tibetanischen Buddhismus (Lamaismus). Was Nepal von den meisten Ländern der Welt unterscheidet, ist, dass es keine dominante Religion gibt. Über Jahrhunderte hinweg hat sich eine zunehmend komplexere Mischung bestimmter Aspekte von verschiedenen Religionen entwickelt.  Das Land ähnelt in dieser Hinsicht Indien, obwohl dort einige Religionen wie der Buddhismus fast komplett verschwunden sind.

Hinduismus 
Es scheint, als ob Hindus nicht viel gemeinsam haben mit westlichen Religionen. In gewisser Hinsicht stimmt das. Es gibt keine zentrale Hierarchie, kein gemeinsames Glaubensbekenntnis und keinen Gründer, an den alle Hindus glauben. Hindus drücken ihre religiösen Gefühle auf verschiedene Weise aus. Aus diesen Grund koexistieren Konzepte wie ‘Ahimsa’, Gewaltlosigkeit, und Ideen über Vegetarismus mit Ritualen, in denen Tiere geschlachtet werden oder Selbst-Bestrafung. Der Glaube an Wiedergeburt steht neben den Glauben an einen Himmel für die Vorfahren und es gibt sowohl sehr formalisierte Rituale als auch sehr emotionale Zeremonien. Um den Hinduismus besser zu verstehen, sprichst du am besten mit verschiedenen Hindus über ihren Glauben. Es wird dir auffallen, dass fast alle Nepalesen sehr spezifische Ideen zu ihren religiösen Erfahrungen haben und normalerweise sehr begierig sind, darüber zu reden. Du wirst wahrscheinlich merken, dass es sehr viele verschiedene persönliche Ansichten gibt.

Im Allgemeinen erkennen die meisten Hindus 4 verschiedene Lebensaufgaben an. An erster Stelle steht die Aufgabe, seinen religiösen und sozialen Verpflichtungen gegenüber der Familie und der Gesellschaft nachzukommen. Diese Verpflichtungen werden in dem Konzept ‘dharma’ zusammengefasst. An zweiter Stelle steht das Steigern der materialistischen Besitztümer, so dass man seine Familie unterhalten und Almosen an Bettler und wandernde heilige Männer geben kann. Dies wird ‘artha’ genannt.  Das dritte Lebensziel ist das Erleben von Sexualität oder ‚kaama‘, was in einem männlichen Erben enden sollte. Das  letzte und höchste Ziel ist die Befreiung von der Wiedergeburt, ‘moksha‘ genannt (ein vergleichbares und im Westen wesentlich bekanntere Konzept ist das buddhistische Nirwana). Neben diesen 4 Verpflichtungen kann jeder Hindu denken, was er oder sie will. Er kann seinen eigenen spirituellen Master oder Guru wählen. Es gibt viel Respekt für Gurus und alte Menschen. Ebenso viel Respekt wird auch den unzähligen lebenden heiligen Männern gezollt. Viele dieser heiligen Männer wandern durch Nepal und werden ‘Sadhus‘ genannt.  
Die meisten Hindus glauben auch an Karma. Dies ist das Gesetz, dass eine Sache eine andere nach sich zieht und alles, was dir in deinem Leben begegnet, ein Resultat von vorherigen Aktivitäten ist. In dem man gute Taten vollbringt, kann man Pluspunkte sammeln. Die Vorteile sieht man entweder in diesem oder im nächsten Leben. Hindus verbringen viel Zeit damit, Götter anzubeten, die in den Tempeln leben. Dies können riesige Tempel sein oder aber kleine Schreine im eigenen Haus, an denen der Familiengott verehrt wird. In den Tempeln lebt der Gott wie ein König. Viele Hindus glauben, dass es tatsächlich möglich ist, ihren Gott im Tempel zu treffen.

Eine Welt der Götter

Ein Besuch eines Hindu-Tempels ist eine Einführung in ein komplexes Pantheon von Göttern. Die meisten Hindus werden dir sagen, dass sie nur an einen Gott glauben, auch wenn scheinbar Tausende existieren. Wenn man sie auf diese Merkwürdigkeit anspricht, wirst du oft zu hören kriegen, dass die vielen Form wie die Seiten eines Diamanten zu sehen sind. Wenn ein Lichtstrahl auf einen Diamanten fällt, glitzert immer eine andere Seite, aber es ist noch immer der gleiche Diamant. Nachfolgend beschäftigen wir und mit ein paar wichtigen Hindu-Göttern: Brahma, Shiva, Vishnu und Ganesha. Wir betrachten auch einige Göttinnen.

Im Westen ist die Hindu-Dreifaltigkeit Brahma-Vishnu-Shiva sehr bekannt. Brahma wird nur wenig angebetet, da er zu abstrakt ist, keine definitive Persönlichkeit besitzt und kaum spannende Mythen kreiert hat. In ganz Indien gibt es nur einen einzigen Tempel, der Brhama geweiht ist (in Pushkar, Rajasthan). Brahma ist der Schöpfer des Universums und wird mit vier Köpfen dargestellt. Sarasvati wurde erst als Brahmas Tochter beschrieben, später allerdings als seine Frau. Sie wird als die Göttin der Kunst angesehen und wird meistens mit einem Seiteninstrument in ihren Händen dargestellt.

Shiva ist einer der wichtigsten Götter des Hinduismus. Er wird häufig als Asket dargestellt. Er trägt ein Tigerfell oder eine Elefantenhaut als Verweis auf die zwei Dämonen, die er einst besiegte.  Sein Körper ist grau oder weiß, da er sich mit der Asche von verbrannten Körpern einreibt. Sein Haar trägt er in langen, geflochtenen Zöpfen, ein Stil, den viele Asketen in Indien tragen. Er hat drei Augen, eines davon schmückt seine Stirn. Mit diesem dritten Auge kann er ein zerstörerisches Feuer entzünden, um das Universum zu zerstören, wenn sich die Schöpfung ihrem Ende zuneigt.

Shiva vereinigt viele Gegensätze in seiner Figur und den Attributen, mit denen er beschrieben wird. Hindus erklären dies damit, dass er ein Gott ist, der das ganze Universum umgibt. Aus diesem Grund trägt er in einem Ohr einen Ohrring, den man von Dorffrauen niedriger Kasten kennt. Das andere Ohr wird von einem Ohrring geschmückt, der die Form eines mythischen Krokodils hat und meistens von Brahmanen getragen wird. In der einen Hand hält Shiva eine Trommel (damaru), die an ein Stundenglas erinnert. Mit dieser Trommel verweist er auf den Rhythmus der Schöpfung. In der anderen Hand hält er ein loderndes Feuer, mit dem er die Welt zerstört. Sein Kopf wird von Blumen geschmückt. Darunter befindet sich auch die sehr giftige Blume ‚Stechapfel‘, aus der halluzinogene Substanzen gewonnen werden können. Außerdem befindet sich auf seinem Kopf eine Mondsichel, ein Symbol des Todes. Um seinen Hals trägt er giftige  Schlangen, weitere Symbole des Todes. Er reitet den Bullen Nandi. Nandi liegt fast immer vor Shiva-Tempeln. Shiva wird seit jeher als der Gott der Asketen verehrt. Viele seiner Anhänger sind Sadhus (heilige Männer), die, alleine oder in Gruppen, durch Indien und Nepal wandern, ihre Körper mit Asche einreiben und auf bizarre Art Buße tun. Sie können an den 3 horizontalen Linien erkannt werden, die sie auf ihre Stirn zeichnen. Ihr Attribut ist der Dreizack. Shivas Frauen kennt man unter vielen Namen und in vielen Formen. Parvati ist Shivas bekannteste Partnerin – sie wurde zum Symbol der unterwürfigen und gehorsamen Frau. Sie musste dabei zusehen, wie sich Shiva mit anderen Schönheiten vergnügte. Shiva kehrte allerdings immer zu ihr zurück. Parvati ist die friedliche Variante des Konzepts ‘shakti’ (weibliche Energie). Sie kann sich allerdings in verschiedenen, grausameren Formen manifestieren: Durga, Chamunda oder Kali. Durga wird oft als unabhängige Göttin verehrt, die nichts mit Shiva zu tun hat. Sie wurde extra geschaffen, um die Götter mit ihren ganz eigenen Waffen zu retten. Als Kali (‘die Schwarze’) tritt Parvati in ihrer schrecklichsten Form auf. Sie ist schwarz und ihre Zunge hängt aus ihrem blutigen Mund. Behangen mit abgeschnitten Köpfen und Schädeln wandert sie über furchtbare letzte Ruhestätten. Sie soll Hilfe anbieten, wo kein anderer Gott mehr helfen kann. Interessanterweise dürfen selbst die untersten Kasten sie anbeten, unter denen sie dann auch viele Anhänger hat. Sie bekommt als einzige Gottheit Blutopfer. Während ihrer Festivals werden viele schwarze, männliche Tiere geopfert. Dies reicht von Katzen bis hin zu Büffeln.

Vishnu ist ein Gott mit vielen Erscheinungsformen. Er hat meist einen milderen und freundlicheren Charakter als Shiva, obwohl auch er asketische Aspekte besitzt. Vishnu wird normalerweise mit einem blauen Körper und vier Armen dargestellt, in denen er eine Muscheln, eine Keule, eine Lotusblume und einen Diskus hält. Er trägt häufig eine Krone und eine gelbe Robe. Um seinen Hals liegt ein Kranz mit Waldblumen und verschiedenen Schmuckstücken, darunter ein Juwel, der Wünsche erfüllt. Vishnu hat zwei Reisegefährten, die Schlange Shesha und den Vogel Garuda. Die Schlange dient ihm als Ruheplatz, während der Vogel ihn durch das Universum trägt. Vishnu bewacht die Welt und sollte etwas schiefgehen, schreitet er ein und erscheint als Inkarnation auf der Erde. Die Hindus kennen 10 klassische Inkarnationen: Fisch, Schildkröte, den Mensch-Löwen Narasimha, Zwerg, Rama mit der Axt, Rama mit einem Bogen, Krishna, Buddha und zu guter Letzt Kalki. Die letzte Inkarnation von Vishnu, Kalki, muss noch erscheinen: als Reiter auf einem weißen Pferd und mit einem Schwert, das wie ein Komet lodert. Mit diesem Schwert wird er alle Dämonen zerstören, die die Welt bedrohen. Die bekanntesten Inkarnationen von Vishnu sind Krishna und Rama mit dem Bogen, der Held von Ramayana. Krishna selbst kommt in vielen verschiedenen Geschichten und Situationen vor und ist besonders beliebt in der Gestalt als junger Kuhhirte. Er hat unzählige Affären mit den weiblichen Hirten aus seinem Dorf. Später wird er ein großer, religiöser Prediger und schreibt seine Nachricht an die Menschheit in der Bhagavad Gita nieder, einem wichtigen philosophischen Text und zentral in der Mahabharata.

Ein besonders beliebter Gott ist Ganesha. Er kann sofort unter hunderten von Götterfiguren erkannt werden, da er einen Elefantenkopf hat. Von ihm existieren 10 verschiedene Erscheinungsformen. Er wird als der spirituelle Sohn von Shiva angesehen, wurde jedoch nicht von ihm gezeugt. Es gibt verschiedene Versionen, in denen er aus Lehm oder aus dem Badewasser von Parvati geschaffen wurde. Er war einst ein hübscher Kerl. Den Elefantenkopf bekam er erst später. Eine Variante der Geschichte ist die folgende: Als Shiva nach einer langen Zeit wieder nach Hause kommt, nimmt Parvati gerade ein Bad.  Ihr Sohn Ganesha hält vor der Tür Wache. Da er Shiva noch nie gesehen hatte, lässt er ihn nicht durch. In seiner Wut köpft Shiva den Wachmann. Als er lernt, dass er seinen eigenen Sohn ermordet hat, muss er schnell von irgendwo her einen anderen Kopf bekommen. Und dieser stammte von einem Elefanten.

Ganesha ist ein Gott, der Hindernisse wegnimmt, wenn man ihn anbetet. Tut man dies nicht, kann er einem Hindernisse in den Weg legen. Ganesha tut alles für die Menschen, die ihn anbeten und aus diesem Grund hat er viele Anhänger unter Kriminellen und schwarzen Zauberern.

Buddhismus

Buddha wurde im 6. Jahrhundert in der Terai-Region von Nepal geboren. Trotz seines komfortablen und luxuriösen Lebens bemerkte er das Leiden seiner Mitmenschen. Nach einer langen Zeit der Meditation erreichte er die ‘Erleuchtung’ und fing an, eine neue Lebensweise zu verkünden. Der Buddhismus ist eigentlich eine reformatorische Bewegung des Hinduismus und die zwei Religionen haben viele Elemente gemeinsam. Buddha lehnte jedoch ein paar wichtige Aspekte der vorherrschenden Doktrin ab. Zwei wichtige, in seiner Sicht verwerfliche Aspekte waren die Brahmanen-Rituale, die Anbetung der Götter und das Kasten-System.

Wie der Hinduismus behauptet auch Buddha, dass alles, was lebt, in einem ewigen Kreis von Schöpfung und Verfall existiert. Im Prinzip kann diesem Schicksal nichts entkommen: nicht die Götter, nicht das Universum oder die Menschen. Buddha jedoch schaffte es, aus diesem ewigen Kreis der Wiedergeburt auszubrechen. Seine Lehren zeigen, wie man in seinen Fußstapfen treten und das Nirwana erreichen kann: einen Zustand von zeitloser Ruhe und Einheit mit Allem. Die vier Weisheiten sind von entscheidender Bedeutung: 1) Leben heißt Leiden. 2) Dieses Leiden ist eine Konsequenz unserer Begierde. 3) Durch das Entfernen dieser Begierde kann der Mensch das Leiden beenden. 4) Dies erreicht man durch das Folgen des ‘richtigen Weges’. Der richtige Kurs besteht aus einem achtfachen Pfad, einem System aus Denkweisen und Aktionen, der zur Verbesserung des Karmas beiträgt. Wenn es dir gelingt, dein Karma durch den richtigen Weg zu verbessern, wirst du in einer pureren Form wiedergeboren. Am Ende erreichst du ‚Bodhisattwa‘, einen Zustand, in dem du nichts als Glück für alle anderen ersehnst.  Anschließend löst du dich ins Nirwana auf, einem Zustand der Erleuchtung, in dem du realisierst, dass alles Existierende eine Illusion ist und ein Trugbild der unzertrennbaren Einheit, die darin ruht. Schrittweise entwickelte sich neben dieser Gedankenschule der sogenannte Mahayana-Buddhismus, später auch Thereyara oder Hinayana genannt. Diese beliebte Form des Buddhismus führte viele Rituale und die Anbetung der zahlreichen Buddhas und ‚bodhisattvas‘ (Schüler eines Buddha) wieder ein. In der Mahayana-Schule entstand schnell eine neue Götterwelt. Damit ähnelt sie dem Hinduismus in allem außer dem Namen, besonders im täglichen Leben ihrer Anhänger. 

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